Masterarbeit: „Primäre Prävention bei der Berufsfeuerwehr Wien“ → ein umfassendes Handout
Der Autor des Beitrages, Herr PETER HOLACKY, ist seit fast 25 Jahren Berufsfeuerwehrmann und hat berufsbegleitend Psychotraumatologie studiert. Im Zuge seines Master-Degree hat er sich mit der primären Prävention von Feuerwehrleuten beschäftigt, da die Berufsfeuerwehr Wien wie viele andere Feuerwehren weltweit psychischen Belastungen ausgesetzt ist.
Der Autor hat in seiner Studie herausgefunden, welche Schulungen für Neuankömmlinge bei der Berufsfeuerwehr Wien nützlich wären, um auf diese Belastungen vorbereitet zu sein. Basierend auf zwölf halb-strukturierten leitfadengestützten Interviews mit Experten empfiehlt er, Erfahrungsberichte und Narrative von erfahrenen Einsatzdienst-MitarbeiterInnen mit psychologischem Hintergrundwissen (wie beispielsweise Peers) bereits in der Grundausbildung durchzuführen und in einem Workshop-Format stattfinden zu lassen. Der Autor hat außerdem eine Empfehlung zur Gestaltung der psychologischen Schulungsinhalte der Grundausbildung bei der BF-Wien entwickelt, um angehende Einsatzkräfte auf ihr Berufsleben vorzubereiten und ein Expertennetzwerk innerhalb der Magistratsabteilung aufzubauen. Durch seine Tätigkeit als aktiver Feuerwehrmann und akademischer Trauma- und Resilienzberater liegt ihm das Thema sehr am Herzen.
Fireworld.at wurde authorisiert, sein umfassendes Handout per Oktober 2023 der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mehr von Herrn Holacky finden Sie unter https://www.hope.jetzt/
Einleitung
Primäre Prävention von psychischen Belastungen bei Berufsfeuerwehrleuten ist von entscheidender Bedeutung zur Vermeidung von stressbedingten Erkrankungen und zur Reduktion der Auswirkungen traumatischer Erfahrungen. Bisher fehlte es bei der MA68 gänzlich an adäquaten Maßnahmen im Bereich psychologischer primärer Prävention. Bisherige Angebote beschränkten sich lediglich auf unorganisierte, freiwillige und nicht reglementierte kollegiale Unterstützung von anderen Mitgliedern des Teams sowie auf die tertiäre Prävention durch den Feuerwehrarzt oder der Clearing-Stelle der Krankenfürsorgeanstalt der Bediensteten der Stadt Wien (KFA). Von 2009 bis 2017 bestand für alle BeamtInnen der MA68 die Möglichkeit, psychosoziale Beratungseinheiten bei einer externen Lebens- und Sozialberaterin in Anspruch zu nehmen. 2017 wurde dieses Angebot durch die Clearingstelle des Sanatoriums HERA (Fachbereich klinische Psychologie/Psychotherapie) ersetzt.
Erst Anfang 2023 wurden die ersten Peers der MA68 durch ein Team aus Arbeitspsychologen der KFA und externen Notfallpsychologen ausgebildet und in den Dienst gestellt. Peers sind erfahrene Einsatzkräfte, die über eine psychologische Zusatzausbildung verfügen und im Sinne einer sekundären Prävention zur kollegialen Unterstützung nach belastenden Einsätzen herangezogen werden können. Bis Anfang September 2023 fand keine offizielle psychologisch-primär präventive Schulung bei der MA68 statt. Es bedarf daher dringend der Implementierung von präventiven Maßnahmen, um Berufsfeuerwehrleute der MA68 auf die psychischen Belastungen aller Kontexte des Berufslebens vorzubereiten und langfristige Schäden zu vermeiden.
Zielsetzung
In dieser Masterarbeit wird untersucht, welche psychologischen Schulungen bereits in die Grundausbildung von FeuerwehrbeamtInnen aufgenommen werden sollten, um sie auf ihre Tätigkeiten als Einsatzkräfte optimal vorzubereiten. Die Forschungsfragen beziehen sich auf die psychischen Belastungen in allen Kontexten des Berufslebens einer Einsatzkraft der BF-W sowie darauf, welche psychologischen Lehrinhalte helfen, diesen Belastungen besser gewachsen zu sein. Zusätzlich wird erforscht, wie die Schulungsinhalte didaktisch und strukturell gestaltet sein müssen, um von den Betroffenen auch tatsächlich angewendet werden zu können und in weiterer Folge ein Expertennetzwerk innerhalb der gesamten Magistratsabteilung aufzubauen. Ziel ist es, Erkenntnisse über die psychologischen Belastungen im Beruf zu gewinnen und praktikable Lehrinhalte sowie didaktische Maßnahmen zu identifizieren, um langfristige psychische Folgen zu verhindern. Die Arbeit leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Aus- und Fortbildung von Berufsfeuerwehrleuten in Wien.
Methodik
Im Rahmen des empirischen Teiles der qualitativen Forschung wurden semistrukturierte, leitfadengestützte Interviews mit Beamten der BF-W und einem externen Notfallpsychologen durchgeführt. Die Daten wurden mittels der Inhaltsanalyse nach Kuckartz analysiert und die Software MAXQDA zur Auswertung verwendet. Die Auswahl der Interviewpartner erfolgte nach dem Prinzip der maximalen Kontrastierung, um eine hohe Varianz und verschiedene Perspektiven auf das Forschungsthema zu gewährleisten. Insgesamt nahmen zwölf Personen an den Interviews teil, von denen vier sich selbstständig meldeten und sieben durch den Forscher angesprochen wurden. Die Befragten waren zwischen 40 und 53 Jahre alt und hatten eine durchschnittliche Dienstzeit von 20 Jahren. Zu den Teilnehmern gehörten vier Personen aus der Sparte Branddienst, drei aus der Sparte Fahr- und Maschinendienst, zwei aus der Sparte Nachrichtendienst und zwei Offiziere. Die qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz erwies sich als effektive Methode zur Strukturierung und Konsolidierung der Daten. Durch die Zusammenfassung der einzelnen Fälle (Case-Summary) konnten Aussagen zu einem bestimmten Thema pro Interview zusammengefasst, Redundanzen ausgesiebt und somit der Materialumfang beträchtlich reduziert werden. Die Verdichtung des Materials erfolgte aus der Perspektive der Forschungsfragen und in wissenschaftlicher Sprache. Durch die Ableitung von Kategorien aus dem Leitfaden (deduktiv) und eine umfassende Auswertung der in den Interviews angesprochenen Themen (induktiv) wurde ein detailliertes Kategoriensystem entwickelt.

Ergebnisse
Einsatzkräfte erleben psychischen Stress durch verschiedene Faktoren. Belastende Sinneseindrücke im Einsatzdienst bzw. Reaktionen von Beteiligten und Zeugen, Rückschlüsse auf das eigene Leben sowie durch den Beruf hervorgerufene private Belastungen. Ebenso wurden psychische Herausforderungen durch den Wachalltag aufgrund sozialer Enge, vor allem jedoch durch den toxisch-maskulinen Habitus des Berufsstandes genannt. Stress durch Einsätze allein führt nur selten zu länger andauernden psychischen Beeinträchtigungen. Oft ist es erst eine Kombination (kumulativer Stress) aus beispielsweise privaten Problemen oder Belastungen aus dem Wachalltag, die Einsatzbelastungen amplifizieren und zu Folgestörungen führen können.
Wie in der Abbildung zur Häufigkeit der vergebenen Codes (Seite 5) ersichtlich ist, wurde der Wachalltag in vielen Fällen als Belastungsfaktor erwähnt. Vornehmlich der Faktor der räumlichen und sozialen Enge scheint hierbei für viele Betroffene eine entscheidende Rolle zu spielen, da es besonders auf kleinen Dienststellen oft schwierig ist, einander bzw. Konflikten aus dem Weg zu gehen.
In Bezug auf den Wachalltag wurden folgende Faktoren als belastend identifiziert:
- Konkurrenzdenken und Feindseligkeiten zwischen den unterschiedlichen Sparten, Wachen und/oder Dienstgruppen
- Rufschädigung durch Informationsverzerrung und pauschale Verurteilungen Einzelner durch das Kollektiv
- Disziplinlosigkeiten, mangelndes Verantwortungsgefühl und/oder Querulantentum
- Ranglistenfahren (höher frequentierte Fahrzeuge werden mit den jüngsten im Dienst befindlichen KollegInnen besetzt)
- Unerwartete Ablösen/angeordnete Wachewechsel
- Ständige Unterbrechungen von Wachearbeiten durch Alarmierungen
- Unterbeschäftigung und Langeweile.
Die Feuerwehr-Kultur fördert insbesondere im Wachalltag eine harte oder männliche Arbeitsumgebung und führt schnell zu Veränderungen der Persönlichkeit neu hinzukommender junger KollegInnen. Eine Einschulung über die Eigenheiten des Wachelebens und in die Kultur der Feuerwehr könnte helfen, sich besser darauf einzustellen.
Ein neues Phänomen stellt die mehrmals erwähnte digitale Distanzierung unter KollegInnen durch die multimediale Umgebung (auf Feuerwachen) dar. Vermutlich hat die Generation Z (Kohorten der 1990er bis Anfang der 2010er geborenen Personen) ein anderes Verständnis im Umgang mit digitalen Medien als die befragten Experten, die allesamt der Generation X (Kohorten der 1960er bis Anfang der 1980er geborenen Personen) angehören.
Der 24-Stunden-Dienst stellt für Feuerwehrleute sowohl eine Herausforderung als auch einen Gewinn dar. Bei privaten psychosozialen Krisen kann der Wechseldienst dazu führen, das Gefühl zu haben handlungsunfähig zu sein. Nach der Geburt von Kindern, kann sich der Druck zusätzlich erhöhen, da eine schwierige Betreuungssituation entstehen kann. Andererseits wird der durch die langen Arbeitszeiten notwendige großzügige Freizeitausgleich als sehr förderlich für das Familienleben angesehen, da er unter anderem eine hohe Präsenz und Aktivität als Elternteil ermöglicht und somit eine 24-Stunden-Qualitätszeit mit der/dem PartnerIn und Kindern gewährleistet.

Die von den befragten Feuerwehrleuten vorrangig verwendete Coping-Strategie ist Ablenkung (vor allem durch Sport oder Hobbys). Darüber hinaus wurden Akzeptanz, Planung oder schwarzer Humor als Strategien angegeben. Alkoholkonsum als Bewältigungsstrategie (im Dienst als auch in der Freizeit) in psychisch belastenden Phasen, wurde von allen Interviewten als nicht zielführend bzw. maladaptiv bewertet. Der Alkoholkonsum im Dienst innerhalb der BF-W war vor Einführung der Prohibition im Jahr 2000 ein verbreitetes Problem. Zum Beispiel wurden ‚Nachbesprechungen‘ in Verbindung mit Alkoholkonsum traditionell in kleinem Rahmen (am Küchentisch oder der Hauswerkstätte der Feuerwache) durchgeführt. Nach Annahme eines Befragten konnten sich jedoch so auch verschlossene/introvertierte KollegInnen leichter öffnen. Es muss davon ausgegangen werden, dass noch immer viele Feuerwehrleute eine erfolgreiche Kommunikation, mit dem Konsum von Alkohol in Verbindung bringen.
Dieses tief verwurzelte Problem hat noch heute negative Auswirkungen auf das Arbeitsklima und das Image der Feuerwehr und muss aus diesem Grund weiterhin mit einer umfassenden Präventions- und Interventionsstrategie bekämpft werden.
Der Nachrichtendienst erfährt oft erheblichen Stress durch Alarmierungsaufgaben ohne die Möglichkeiten kompensatorischer positiver Effekte wie erfolgreiche Hilfeleistung und/oder positives Feedback/Dankbarkeit. Auch die ständige Fehlersuche und Kontrolle des Nachrichtendienstes wirken auf seine MitarbeiterInnen zermürbend. Es gibt eine lückenlose Dokumentation und bei fragwürdigen Entscheidungen oder Fehlern, rückwirkend hohen Rechtfertigungsdruck.
Unerwarteterweise wurden komorbide Syndrome wie z.B. psychosomatische Beschwerden in keinem Interview erwähnt. Lediglich Schlafstörungen und die damit verbundene Reizbarkeit wurden mehrmals als Belastungsfaktoren angegeben. Wie auch in der Theorie zu erwarten war, findet die psychische Belastung aufgrund der potenziellen Lebensbedrohung als Feuerwehrmann/-frau lediglich in einem Interview Erwähnung.
Es sieht so aus, dass Feuerwehrleute sich einerseits auf ihre umfangreiche Ausbildung verlassen, andererseits auch auf die exzessiven Sicherheitsmaßnahmen (mehrfache Absicherung durch Materialien und das Team). Alle 12 Interviewpartner waren sich einig, dass psychologische Schulungen bereits in der Grundausbildung stattfinden sollten. Die genaue zeitliche Verortung und mögliche Aufteilung derartiger Ausbildungsanteile wurden zwar diskutiert, aber alle Befragten waren sich einig, dass primäre Prävention vor einer möglichen Exposition erfolgen muss. Die Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass primär-präventive Schulungen am besten von erfahrenen und angesehenen MitarbeiterInnen des Einsatzdienstes (mit psychologischem Hintergrund, wie z.B. Peers) in Form von Narrativen und Erfahrungsberichten durchgeführt werden sollten.
Eine Workshop-ähnliche Atmosphäre, in der relevante Themen gemeinsam mit den TeilnehmerInnen reflektiert werden, wurde einer Frontalunterrichtssituation vorgezogen. Narrative bringen den Vorteil, dass die erfahrenen Belastungen aus unterschiedlichen Kontexten, vielleicht sogar kongruent von den Betroffenen selbst vermittelt, mit einem entsprechend hohen Maß an Authentizität vorgebracht werden und so Empathie bei den ZuhörerInnen erzeugt wird. Durch das hohe Maß an Identifikation mit den Vortragenden bleiben die vermittelten Inhalte nachhaltiger in Erinnerung.
Des Öfteren wurde von der Verwendung von explizitem und aversivem Anschauungsmaterial (Einsatzbilder und Videos) gesprochen. Dies könnte einerseits helfen, festzustellen, ob die TeilnehmerInnen solchen Anblicken gewachsen sind, und andererseits, im Sinne einer Stressimpfung, bereits auf die zukünftigen Eindrücke im Einsatz vorbereiten. Es sollte jedoch erwähnt werden, dass die Verwendung solcher Abhärtungsmaßnahmen ambivalent betrachtet wurde, da sie an der Grenze zur Zumutbarkeit liegen und die KollegInnen nicht schon in ihrer Ausbildung traumatisieren sollten.
Des Weiteren hat sich herausgestellt, dass durch die Grundausbildungsreform mit Eröffnung des Feuerwehrausbildungszentrums (FAZ) eine wertvolle Wissensquelle abhandengekommen ist. Der längere und zum Teil sehr detaillierte Einblick in den Dienst-, Bereitschafts- und Arbeitsalltag der Mannschaft sowie der Austausch von hilfreichen Tipps und Tricks für das zukünftige Berufsleben durch die Veteranen, abseits vom Schulungskontext und dem Klassenzimmer.
Zur Implementierung wurde die kontinuierliche Wiederholung und sukzessive Erweiterung des bestehenden Wissensstandes empfohlen. Mehrmals wurde angemerkt, dass eine regelmäßige Wiederholung der Schulungsinhalte zum Thema psychologische Prävention in den Jahresbeschäftigungsplan der MA68 aufgenommen werden sollte.
Diskussion und Schlussfolgerungen
Um Strategien und Richtlinien der psychologischen Primärprävention in die Praxis umzusetzen, ist es unumgänglich, die Haltung und das Mindset der gesamten Organisation zu diesem Thema zu optimieren. Es sollte für wirklich alle MitarbeiterInnen klar sein, dass es höchst individuelle und variable Grenzen der Belastbarkeit und Resilienz eines jeden Menschen gibt. Es sollte legitim sein/werden, Schwächen, Ängste und temporäre Überforderungen zu haben oder dem Druck der hohen Verantwortung, der mit dem Beruf verbunden ist, zeitweise nicht gewachsen zu sein. Und vor allem sollte die Bereitschaft gefördert werden, sich und anderen derartige Überlastungsphasen einzugestehen und in solchen Fällen auch um Hilfe zu bitten bzw. diese anzunehmen. Statt die Beschwerden als Schwäche zu sehen, können sie als verständliche Reaktionen auf Überforderung akzeptiert werden.
Eine große Chance und Herausforderung zugleich ist die Neuartigkeit psychologischer Präventionsmaßnahmen bei der MA68. Das jüngst entstandene Peer System ist vielen Befragten bekannt und wird als positive Entwicklung betrachtet. Eine oft erhoffte weitere Entwicklung wäre für viele Befragte, die unmittelbare Verfügbarkeit von psychologisch geschulten KollegInnen aus den eigenen Reihen, an möglichst allen Standorten/Feuerwachen. Es wurden allerdings auch Bedenken in Bezug auf die Verschwiegenheit von Peers geäußert, als auch mögliche Abhängigkeitsverhältnisse kritisch erwähnt. Ebenso stellen die Grenzen der möglichen Unterstützung (Kontraindikationen) durch die Peers der MA68, eine Einschränkung dar. Viele Befragte der Studie erwähnten mehrmals, dass der Schlüssel zur psychischen Gesunderhaltung respektive schnellen Genesung von Belastungsreaktionen von Einsatzkräften der MA68, die Veränderung der vorherrschenden Einstellung oder des Anspruches der Unverwundbarkeit ist. Berufsstolz, ein maskulines Normativitätskonzept und großer Unabhängigkeitsdrang wirken seit (Berufs-)Generationen behindernd für diese Entwicklung. Der befragte Notfallpsychologe sprach von der Entwicklung einer entsprechenden ‚Awareness‘ in der gesamten Organisation.
Als wichtiger Beitrag der vorliegenden Arbeit kann die Identifikation von Peers als ‚Experten mit Erfahrung‘ betrachtet werden. Dem Einsatz von Peers als MultiplikatorInnen für primär-präventive Schulungen in der Grundausbildung sollte auf jeden Fall der Vorzug gegeben werden.
Vorhandenes Wissen und Erfahrung um psychische Belastungen in allen Berufskontexten sollten gesammelt, erfasst, strukturiert und dokumentiert werden, um sie durch die MultiplikatorInnen in Zusammenarbeit mit den SchülerInnen der Grundausbildung in Workshop-ähnlicher Struktur zu reflektieren.
Regelmäßige Auffrischungen zum Thema psychologische Prävention sollten in den jährlichen Beschäftigungsplan der Feuerwehr aufgenommen werden, um das Verständnis und Bewusstsein der MitarbeiterInnen für die Bedeutung und Notwendigkeit von Maßnahmen zur psychischen Prävention zu fördern.
Der Entfremdung und Spaltung innerhalb der Mannschaft, die durch z.B. neue Medien entstehen können, sollte durch ein gemeinschaftsförderndes Begegnungskonzept auf den Wachen begegnet werden. Die erhoffte Erleichterung, die oft mit dem Konsum von Alkohol verbunden ist, sollte durch eine soziale, fehlerfreundliche und verbindende Haltung innerhalb der gesamten Organisation, insbesondere innerhalb der Mannschaft erreicht werden.
Limitationen
Die vorliegende Masterarbeit weist einige Einschränkungen auf. Insbesondere die geringe Anzahl der Befragten ist zu beachten. Dadurch war eine Berücksichtigung des Kriteriums der Berufserfahrung bei der Fallauswahl nicht möglich, was zu einer Unterrepräsentation dienstjüngerer KollegInnen führte. Auch die Tatsache, dass keine weiblichen Beamten an der Studie teilnahmen, könnte trotz der grundsätzlich geringen Anzahl von Frauen bei der MA68 (unter 0,3 %) zu Verzerrungen führen. Zudem waren von psychischen Belastungen akut betroffene KollegInnen unterrepräsentiert.
Der Umstand, dass der Autor der Arbeit seit über 23 Jahren Beamter der MA68 ist, erleichterte zwar den Zugang zu den Gesprächspartnern, führte jedoch auch zu konversationellen Implikaturen und persönlicher Nähe, die die Möglichkeit von selbst-zensiertem Verhalten oder erwartungsgemäßen Antworten erhöhten. Die Identifikationsgefahr der Befragten durch die Zusammenfassungen der Fälle konnte als gering eingeschätzt werden. Trotz dieser Limitationen können die Ergebnisse eine wertvolle Grundlage für die weitere Forschung darstellen und weitere umfangreichere Studien, die eventuell auch quantitativ ausgerichtet sind, könnten helfen, die Ergebnisse zu validieren.
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Empfehlung für ein Curriculum der Grundausbildung
Auf Basis der Interviewergebnisse sowie der persönlichen Erfahrungen des Verfassers folgt eine mögliche psychologisch-primär präventive Schulungsgestaltung der Grundausbildung.
Vorbereitung der Workshops: Im Vorfeld steht die Curriculum-Gestaltung. Es sollte eine umfangreiche (Lehrmittel-)Sammlung aller möglichen psychologischen Belastungskontexte der relevanten Bereiche des Berufslebens einer Einsatzkraft der MA68 dokumentiert werden. Ebenso sollte eine Sammlung von hilfreichen Tipps und Tricks aus der Praxis angelegt werden.
Gestaltung der Workshops: Die primär-präventive Schulung der Grundausbildung sollte ein interaktives und partizipatives Lernerlebnis sein, die die Vorteile eines Workshops und eines Vortrags kombiniert. Sie sollte über herkömmliches Unterrichten hinausgehen, indem sie die SchülerInnen aktiv in den Lernprozess einbezieht.
Fokus auf Erfahrungswissen: Der Workshop sollte sich um praxisnahe Erfahrungen, Situationen oder Fallstudien, aus allen Kontexten des Berufslebens einer Einsatzkraft der MA68 drehen. Diese Erfahrungen können aus gesammelten und dokumentierten Ereignissen oder Szenarien der Vergangenheit oder auch aus dem eigenen Leben der MultiplikatorInnen sowie ‚GastdozentInnen‘ stammen. Hilfreiche Tipps und Tricks aus der Praxis sollten passend zu den entsprechenden Kontexten vermittelt werden.
Multidisziplinärer Ansatz: Je nach behandeltem Kontext, könnten am Workshop teilnehmende Gäste aus verschiedenen Sparten und Altersgruppen der gesamten Magistratsabteilung beteiligt werden, um vielfältige Perspektiven und Einsichten zu fördern. Die psychologischen Fachkräfte sollten in jedem Fall zu Wort kommen. Ergänzend könnten Alkoholprävention, Ernährungsberatung und Sport als Mittel zur Erhaltung der psychischen Gesundheit mit thematisiert werden.
Kollaboratives Lernen: Sowohl SchülerInnen als auch MultiplikatorInnen (und Gäste) sollten aktiv am Workshop teilnehmen. Dies fördert eine kollaborative Lernumgebung, in welcher Ideen und Erkenntnisse geteilt werden und jede Perspektive wertgeschätzt wird.
Reflexion und Analyse: Die Kernaktivität dieser Schulungen ist die Reflexion über vergangenes Erfahrungswissen. Die Teilnehmenden untersuchen die Erfahrungen kritisch, identifizieren wichtige Lektionen und analysieren, wie diese Lektionen auf (möglicherweise eigene) zukünftige Situationen angewendet werden könnten.
Rolle der MultiplikatorInnen: Die Lehrkräfte fungieren als ModeratorInnen, die die Diskussionen leiten und sicherstellen, dass das Lernen fokussiert und produktiv bleibt. Sie können Kontext, zusätzliche Informationen oder relevante Theorien bereitstellen, um die Diskussionen zu bereichern. Psychoedukation sowie Grundlagen der Traumatologie könnten so das bearbeitete Erfahrungswissen bereichern und vervollständigen. Parallel fungieren sie durch Kompetenz, Professionalität und Empathie als beispielhaftes Vorbild im Umgang mit der Thematik.
Lernziele: Der Workshop soll darauf abzielen, eine umfassende Aufklärung über zukünftig mögliche psychische Belastungen der Berufsgruppe zu geben, brisante Situationskontexte für sich und andere zu erkennen (Sensorium), ressourcen- und lösungsorientiertes Denken zu fördern (Coping) und eine offene, prosoziale Haltung in der gesamten Organisation (Awareness) zu fördern. Die Teilnehmenden gewinnen ein tieferes Verständnis über die/ihre Grenzen von psychischer Belastbarkeit, indem sie es mit praktischen Erfahrungen verknüpfen.
Verwendung von Multimedia und visuellen Elementen: Um das erfahrungsorientierte Lernen ansprechender zu gestalten, können Multimedia-Elemente wie Videos, Bilder oder Audio-Clips verwendet werden, um vergangene Erfahrungen oder Fallstudien zu präsentieren. Dies sollte jedoch mit Bedacht erfolgen, um nicht schon in der Ausbildung Ängste, Schwächungen oder gar Belastungsreaktionen zu verursachen. Audio-Clips von vergangenen Erfahrungen verschiedener Berufskontexte, von den Betroffenen selbst erzählt, sind der Vorzug zu geben. Explizites und aversives Bild- und Videomaterial, insbesondere aus vergangenen Einsätzen sollte sparsam und mit Bedacht verwendet werden.
Dokumentation und Feedback: Der Workshop könnte die Dokumentation von wichtigen Erkenntnissen und Reflexionen umfassen. Feedback sowohl von den SchülerInnen als auch Lehrkräften kann gesammelt werden, um zukünftige Iterationen zu reduzieren.
Peter Holacky → https://www.hope.jetzt/